Naturmedizin

 

 

Folgendes Schreiben erhielt ich am 15. August 2002:

"... ich nehme die anstehende Bundestagswahl zum Anlass, meiner Sorge über die Entwicklung unseres Gesundheitswesens Ausdruck zu geben. Gleichzeitig erhoffe ich mir die Chance, dass in dieser Zeit meine diesbezüglichen Wünsche vielleicht Gehör finden.

Ich bin Mitglied im Verein für Anthroposiophisches Heiwesen und übersende Ihnen anbei einen von diesem entwickelten Fragebogen. Ich bediene mich dieses Fragebogens, da die darin gemachten Aussagen und die sich daraus ergebenden Fragen in qualifizierter Form das ausdrücken, was micht bewegt und besorgt macht.

Ich bitte Sie, mir diese Fragen zu beantworten.Sie sind für mich, meine Familie und meinen Freundeskreis von großer Bedeutung, denn wir sind über die Entwicklung in zunehmendem Maße verunsichert.

Die Tatsache, dass die Ausgaben für unsere Gesundheit stetig steigen, die Leistungen dabei immer weiter reduziert und eingeschränkt werden, bzw. für immer mehr Leistungen eine zum Beitrag zusätzliche Kostenbeteiligung des Patienten gefordert wird, ist in höchstem Maße beunruhigend. Mit meinem Beitrag finanziere ich ein Gesundheitswesen, in dem ich keine Mitsprache habe und das meine Wahlfreiheit in Bezug auf die verschiedenen Therapieeinrichtungen immer weiter einschränkt. Gleichzeitig bekagen Ärzte und Apotheker sinkende Einnahmen. Da kann doch etwas nicht stimmen.

Ich hoffe auf eine ehrliche und qualifizierte Beantwortung der beigefügten Fragen ..."

Es folgt der Fragebogen.

Ich habe am 23. August 2002 geantwortet:

"Sehr geehrte Frau A.,

ich habe mich sehr über Ihr persönliches Anschreiben gefreut. Ich empfinde die Situation im Gesundheitswesen ähnlich wie Sie. Die Krankenkassenbeiträge sind sehr hoch, die Leistung des Gesundheitswesens lässt dennoch zu wünschen übrig. Die Pharmaindustrie verdient, den Apothekern und praktischen Ärzten geht es schlechter. Chronische Krankheiten können nicht richtig behandelt werden. Insgesamt gibt es eine Verengung von Behandlungsmethoden auf das, was "Schulmedizin" heißt. Östliches Gesundheitswissen und westliches Heilwissen findet nur am Rande Aufmerksamkeit.

Ich persönlich weiß aufgrund meiner Allergiegeschichte, wovon ich persönlich rede. Jahrelang habe ich meine Heuschnupfen, die Hautallergie und diverse Lebensmittelallergien mit den Standardverfahren Cortisonsalbe, Cortisonspritzen bei Attacken und Desensibilisierung behandeln lassen, ohne Erfolg. Erst die sogenannte Bioresonanz-Methoden bei eine Heilpraktikerin brachte den Hinweis auf eine Zucker- und Ei-Unverträglichkeit. Mit der entsprechenden Diät ist meine Allergie deutlich friedlicher zu mir. Ja, ich kann sogar im Frühjahr Rad fahren. Ein unschätzbarer Zugewinn an Lebensqualität.

Allergien sind nur ein zwar wachsender, aber dennoch kleiner Teil der Probleme, die unser Gesundheitssystem falsch behandelt. Ich würde gerne die Akupunktur und die anderen Verfahren der Naturmedizin gleichberechtigt im Gesundheitssystem verankert sehen und teile diese Forderungen.

Sehen Sie mir aber bitte nach, dass ich kein Gesundheitsexperte bin. Ich kann leider nicht mit der notwendigen Expertenkompetenz Ihre Fragen beantworten. Ich bin aber wissbegierig und lernfähig und würde mich gerne im persönlichen Gespräch sachkundiger machen.

Sehen Sie also meine folgenden Antworten auf Ihre Fragen als meine persönliche Meinung, die nicht auf Expertenwissen gründet.

Hinzugefügt habe ich eine Argumentationshilfe, die mir über unsere interne Internetseite zur Verfügung steht. Ich muss Sie bitten, diese Seiten nicht weiterzugeben. Entsprechende Auskünfte kann Ihnen aber auch die Fachfrau Göring-Eckardt geben.

Nun aber zum Versuch Ihre Fragen zu beantworten:

Ich bin für eine weitergehende Beteiligung der Versicherten an den Entscheidungen im Gesundheitswesen. Die Krankenkassenwahlen kommen mir immer schon obskur vor.

Ich bin für eine pluralistische Grundstruktur des Gesundheitswesens.

Eine Konsequenz des Pluralismus ist auch die Anerkennung spezifischer Formen der Erfolgskontrolle. Ich kann aber nicht sagen, wie diese geschehen kann. Hier müsste - das wäre mein Vorschlag - eine Enquete-Kommission Plurales Gesundheitswesen Grundlagen erarbeiten.

Ich möchte auch ein Gesundheitssystem, das präventiv arbeitet. Im alten China wurden - so hörte ich mal irgendwo - die Ärzte nur dann bezahlt, wenn ihre Patienten gesund blieben. Den Ansatz finde ich zwar nicht übertragbar aber bedenkenswert.

Die Verzagtheit und Mutlosigkeit bei den Reformen im Gesundheitswesen sind sprichwörtlich. Der kölsche Klüngel ist sicher noch harmloser. Ärztereisen auf Pharmakonzernkosten sind sicher nur ein Beispiel dafür, wie in diesem Sektor gearbeitet wird. Die Lobby anzugehen hat nicht nur Andrea Fischer nicht geschafft, das schafft auch Horst Seehofer oder Ulla Schmidt nicht. Ohne organisierten Patientenaufstand wird da nichts passieren können.

Mit den EU-Fragestellungen habe ich mich noch nicht auseinander setzen können. Standardverschlechterungen dürfen aber nicht hingenommen werden.

Ich hoffe, mit meinen Antworten ein wenig Klarheit über meine Meinung gegeben zu haben.

Vielleicht können Sie mir ja auch helfen.

Ich habe nämlich eine Idee, von der ich nicht weiß, ob und inwiefern sie sinnvoll und umsetzbar ist.

Die Idee: Nahrungsmittelallergiker können sich bei Ärzten oder entsprechend ausgewiesenen Heilpraktikern untersuchen lassen und erhalten eine Allergiekarte, auf der die ausgeschlossenen Nahrungsbestandteile digital erfasst sind. Gaststätten, Hotels, aber auch Naturkostläden und Einzelhändler können diese Daten erfassen und ihre Angebote damit fehlerfrei Allergen-frei offerieren. Sie müssen über eine Substitutionsliste verfügen und ihre Speiserezepte entsprechend offen gestalten.

Na ja, das bleibt wohl eine Spinnerei

Mit besten Grüßen"

 



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